Wohnjournal 02/2018 - page 12

Mietschulden
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Was nun?
Liebe Mitglieder,
die Anzahl der Leistungsempfänger, die vom
Jobcenter und von den Sozialämtern abhängig
sind, ist spürbar zurückgegangen. Die Gesamtsi-
tuation auf dem Arbeitsmarkt ist entspannter als
vor etwa 10 Jahren. Trotzdem sind viele Men-
schen, obwohl sie einem, ja teilweise mehreren
Beschäftigungsverhältnissen nachgehen, durch
geringe Löhne in einer schwierigen finanziellen
Situation. So sind viele Mieter auf die Zahlung
von Kosten der Unterkunft und Heizung ange-
wiesen.
Das Thema Mietschulden ist bei uns nicht zur
Seuche geworden. Es sind Einzelfälle, aber es
ist leider im Steigen. Obdachlosigkeit muss nicht
eintreten, denn der bundesdeutsche Sozialstaat
garantiert einem jeden ein Dach über den Kopf.
Aus unserer Sicht und aus unserer Erfahrung
sind diese Probleme durchaus lösbar.
Auch gibt es Ansprechpartner, die in Härtefällen
unbürokratisch Hilfestellung bieten. Doch muss
man sich helfen lassen wollen! Manche Räu-
mungsklage hätte nach Aussagen von Kollegen
in anderen Wohnungsgenossenschaften vermie-
den werden können, wenn die Betroffenen den
Gang zur Beratung frühzeitig gesucht hätten.
Zuerst sollte man uns kontaktieren. Wer von der
Genossenschaft eine Mahnung erhält, weil die
Miete zurückgebucht wurde oder nicht überwie-
sen werden konnte, sollte schnellstens reagie-
ren. Zeit ist bares Geld. Für die Vergangenheit
werden nie Hilfen gewährt. Also muss die An-
tragstellung schnellstmöglich erfolgen. Nun gibt
es leider Fälle, wo alles Zutun nicht hilft. Dort
müssen auch wir in unserer Genossenschaft
nach Gesetzeslage durchziehen. Das soll nicht
als Drohung verstanden werden. Es ist die Pflicht
eines Vorstandes. Der Schutz des Genossen-
schaftsvermögens bedingt auch die konsequente
Beitreibung der Mieten. Die hohen Kosten für
Räumungsklagen über Anwälte, Gerichte und
Gerichtsvollzieher kosten den Vermietern sehr
viel Geld. Bis zu 5.000 € sind schnell zusammen-
gekommen. Trotzdem werden wir im Zweifel die-
sen Weg nicht scheuen, schon um noch größe-
ren Schaden von der Genossenschaft abzuwen-
den. Leider mahlen die Mühlen sehr langsam!
Mietschulden sind kein Kavaliersdelikt. Wenn die
Miete nicht überwiesen wird, dann sind von den
Betroffenen die Schamgrenzen gestiegen. Wenn
es sich dann noch um Mieter handelt, die ein
ausreichendes Monatseinkommen erzielen, aber
der Meinung sind, die Miete nicht zu bezahlen,
fehlt uns jegliches Verständnis. In einer Woh-
nungsgenossenschaft sollte so nicht miteinander
umgegangen werden. Da wird auf Mahnungen
nicht reagiert und wenn man das Gespräch mit
diesen Mietern sucht, zeigt man sich teilweise
sehr erstaunt, dass wir die Miete fordern.
Dieses Verhalten ist nicht nur dreist, sondern un-
verschämt.
Wenn man zeitig (da meine ich sofort) auf uns
zukommt, kann man offene Forderungen mit ei-
ner Ratenzahlungsvereinbarung ausgleichen,
wenn der Wille vorhanden ist.
Wir wünschten uns sehr, dass Schulden machen
nicht so leicht gemacht würde. Der Kauf auf Ra-
ten im Internetgeschäft trägt dazu wesentlich bei.
Es ist immer wieder wichtig, darauf hinzuweisen,
dass das Recht und die Möglichkeit Verträge zu
unterschreiben auch Pflichten nach sich zieht.
Das wird schnell und immer öfter vergessen.
Niemand kann über seine Verhältnisse leben
und Ausgaben tätigen, die dann keinen Spiel-
raum mehr lassen, die Miete zu bezahlen. Was
man sich nicht leisten kann, dass kann man sich
nicht kaufen. Das ist eine einfache Weisheit. Wir
bitten darum, unsere Worte zu beherzigen, denn
gegen Mietschuldner werden wir verstärkt mit
allen Rechtsmitteln vorgehen, die uns der Ge-
setzgeber einräumt.
Gunter Schröter
Vorstand/Vorsitzender
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